Pressespiegel „Und dann gab’s keines mehr“

Die Rheinpfalz, 11. März 2013

Mit viel Liebe zum Detail. Eine Hohnsteiner Puppenspielerin, deren Hände und Stimme Stoffe, Schaumstoff und Latex zum Leben erwecken vermögen, ist am Weltfrauentag zu Gast im Alten Stadtsaal Speyer gewesen. Dem Zählreim folgte ein Puppenmord nach dem anderen: eng angelehnt an die literarische Vorlage der britischen Schriftstellerin Agatha Christie spielte Anke Scholz den zahlreichen, vorwiegend weiblichen Zuschauern unter der Regie von Jan Mixsa das Kriminalstück um Verbrechen und Selbstjustiz vor. Mit viel Humor und großer Liebe zum Detail entwickelte die Puppenspielerin auf der stimmungsvoll gebauten Miniaturbühne die unterschiedlichen Charaktere ihrer ausdrucksstarken Protagonisten. Scholz ließ die Türen der Schlosseingangshalle authentische quietschen und ihre zehn Puppen modisch stilsicher unter zehn am Bühnendach angebrachten kleinen Negerköpfe tanzen. „Heutzutage heißt es Schwarzafrikaner“, ließ die Puppenspielerin die Butlerin gleich zu Beginn für die Jetztzeit politische Korrektheit herstellen.

Zwischen der von Scholz originell in Samt, Seide, Tüll oder Tweed gehüllten britischen Gesellschaft ermittelte die Staatsanwältin, das zweite Ich der Puppenspielerin: identisch gekleidet und frisiert, sprachen Figur und Spielerin mit gleicher Stimme von gerechter Strafe für ungesühnte Verbrechen, Mördern und Mordlust. Ein kleiner Negerkopf mehr fiel mit jedem Opfer des bis zum Schluss unbekannten Täters – bis die letzte Strophe des Zählreims gesungen, der letzte Kopf gefallen war, der Lebemann, die vollbusige Sekretärin, der depressive Psychologe, der lispelnde Detektiv, das durch und durch englische Butlerehenpaar, der Kriegsheld, die Lady im Rollstuhl und sogar die Staatsanwältin zu Rüdiger Jacobsens melodramatischen Todesmelodien niedergestreckt waren. Also alles beim Alten unter neuem Titel? Weit gefehlt. Am Ende schlüpfte Scholz in die Rolle ihres Alter Ego und übernahm die Aufklärung der Geschichte, die auf der Puppenbühne nichts von der Faszination für menschliche Abgründe eingebüßt hat. ELLEN KORELUS-BRUDER

Mitteldeutsche Zeitung, 29. Januar 2013

Zehn kleine Mörderlein, britische Bleichgesichter und zehn kleine Hohnsteiner – Wer hat es getan? „Das eine das verschluckte sich, da waren’s nur noch neun.“ Doch vorher fliegen sie ein und landen keineswegs in der pompös verstaubten Halle eines gregorianischen Landsitzes, sondern in der spärlichen Stube, die auch als Imbissbude durchgehen würde. Warum nicht? Beim „Knie-Not-Abend“ des Dessauer Puppentheaters gastiert das ArtisjokTheater, ein Ein-Frau-Theater, in dem Anke Scholz alle Figuren führt, alle zehn und zehn Köpflein obendrein. Die Figuren, die Anke Scholz und Wolfgang Berger erstellten, tragen durchaus Zeichen der anlehnenden Abstammung: grob geschnittene, köstlich überzeichnete Gesichtszüge. Die sparsame Kulisse, das abrupte, leicht hölzerne Spiel und die verhalten kleine, auch irgendwie rotzige Musik von Rüdiger Jacobsen runden diesen Eindruck. Kleine Eingriffe verzeichnet die Bühnenfassung gegenüber des Romans, auf der Puppenbühne kommt es zum Gespräch und zum strikten Ende aller. So kann Scholz die Rolle der Figur im Finale und in der Regie von Jan Mixsa übernehmen. Lady Brent, herrlich die Dame, fährt Rollstuhl: Auf der Insel versammelt sich ein köstlicher Konvent maßvoll kantiger Typen, Totschläger und Mörder, die durch die groben Maschen der Justiz fielen – bis jetzt jedenfalls. Das ist Akkordarbeit, was Scholz liefert, da die zehn kleinen Mörderlein noch vollzählig sind, eine permanente Rochade der Figuren, ein Wechsel der Stimmlagen und der Akzente, zugleich auch ein Transport der Unruhe in einem Spiel, das vorrangig kein sinnliches, sondern ein illustres Denkspiel bleibt, laut Fachsprache ein „Who-done-it-Krimi“: Wer hat es getan? Darum geht es. Der Mörder ist unerkannt unter ihnen, Stimmungen, Einsichten bleiben Nebensache, der Zählreim tickt. Zehn Leichen und zehn geplatzte Köpflein, da ist viel. Am Ende liegen die kleinen Mörderlein auf einem Haufen. Vera trägt eine Schlinge um den Hals, Laura schluckt Gift. Wargrave vergelt’s.

Hersfelder Zeitung, 28.November 2011

Schauriges Spiel zum Dinner – Im Hersfelder Jugendhaus erleben tafelnde Zuschauer einen Puppenspiel-Krimi

„Für unerschrockene Jugendliche und Erwachsene“ stand auf der Einladung zum ersten schmackhaften Krimi-Vergnügen, zu dem die Stadtjugendpflege in das Kinder- und Jugendhaus eingeladen hatte. Es sollten mörderische Rätsel gelöst und blutige Tatsachen aufgedeckt werden. Dazu wurde Herzhaftes und Feuriges von den Mitgliedern der Theatergruppe des Jugendhauses höflich und zuvorkommend serviert. Zubereitet wurden die Schmankerl im Ausbildungsrestaurant „Auf der Hohen Luft“. Etwas 50 Gäste saßen beim Kerzenschein in einer erst heimeligen und dann immer gespenstischer werdenden Atmosphäre. Was zunächst mit fröhlicher Musik und dem Kinderlied von den 10 kleinen Negerlein begann, endete mit schaurigen Klängen. Das man heutzutage nicht mehr von „Negern“, sondern von „Schwarzafrikanern“ spricht, wurde gleich zu Beginn des Spiels von einer Puppe erklärt. Keine der zehn Personen, die sich auf der einsamen Insel treffen, überlebt. Der Zuschauer ist die ganze Zeit über gefordert, nach dem Mörder zu suchen, der sich ein Opfer nach dem anderen aussucht. Die oben an der Decke hängenden „Negerköpfe“ verraten den dramatischen Fortgang der Handlung, denn ihre sich stetig vermindernde Anzahl kündigt den nächsten Mord an. Am Ende gibt sich die Mörderin zu erkennen, bevor sie Selbstmord begeht und dazu auch die letzte Überlebende anstiftet. Ab diesem Moment greift Anke Scholz selbst ins Geschehen ein und übernimmt die Rolle der Anwältin, mit der sie absolut identisch gekleidet ist. Dies ist ein Schachzug des Regisseurs Jan Mixsa. Scholz beherrschte die schauspielerische Kunst, jeder ihrer Figuren ein eigenes Naturell zu verpassen. Alt und gebrochen, lispelnd, arrogant oder mit französischem Akzent ließ sie ihre Protagonisten zu Wort kommen.

Die Rheinpfalz 22. März 2011

Theater der etwas anderen Art, nämlich in Form der wunderbar antiquiert anmutenden Puppenbühne von Anke Scholz, gab es anlässlich des 100. Internationalen Frauentages im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Brot und Rosen“ am Sonntag im voll besetzten Haftelhof bei Schweighofen. Es war zugleich die Premiere einer ungewöhnlichen Agatha-Christie-Adaption der ,,Zehn kleinen Negerlein“, die unter dem Titel „Und dann gab’s keines mehr“ fröhlich Urständ feiern soll. Darf man heute noch das fast 150 Jahre alte Kinderlied von den „Zehn kleinen Negerlein“ intonieren? Den 1939 mit gleichem Titel zu Weltruhm gelangten- aber damals bereits rassistischen Anschuldigungen ausgesetzten- Kriminalroman von Agatha Christie inszenieren? Dabei ganz aktuell zehn kleine Negerköpfe visualisierend, die nach und nach mit einer Art Reißleine außer Sichtweite gezogen werden? Die Puppenspielerin Anke Scholz nimmt sich diese fragwürdige Freiheit und spricht von einem Stück mit „…viel Blut und wenig Restrisiko“, das sie wohl auch dadurch zu mindern versucht, dass einer ihrer Protagonisten gleich zu Beginn erklärt:“Heutzutage heißt das Schwarzafrikaner“. Ansonsten bleibt beim Figurentheater „Und dann gab’s keines mehr“, das den neu aufgelegten Buchtitel führt, eigentlich alles beim Alten, also bei der raffinierten Geschichte um zehn Personen, die von einem anonymen Gastgeber auf eine einsame Insel eingeladen werden. „Jeder Einzelne von Ihnen hat sich eines ungesühnten Verbrechens schuldig gemacht“ und mehr oder weniger direkt einen oder gar mehrere Tote auf dem Gewissen, für die er nun büßen soll. Die Ermittlungen vor Ort und damit auch die indirekte Regie übernimmt von Anfang an die Staatsanwältin, die „nicht nur anklagen, sondern auch selbst richten will“ und dabei eine Mordslust entwickelt. So verliert einer nach dem anderen erst die Contenance und dann das Leben. Im Schunkelrhythmus mit dem immer wieder gesungenen Kinderreim von den zehn Negerlein bleibt am Ende niemand übrig. Außer der Puppenspielerin selbst, die in gleichem Gewand wie die Staatsanwältin agiert, und am Ende – gewiss als Zeichen dafür, dass letztendlich sie die Herrin über das Geschehen ist – in die Rolle der Richterin schlüpft. Ein cleverer Regieeinfall von Jan Mixsa, der auch das stimmungsvolle Bühnenbild mit barocken Anklängen schuf, das Rüdiger Jacobsen mit stilgerechten Kompositionen und Musikeinspielungen untermalte. Viel Bewunderung verdient Anke Scholz für ihr umsichtiges Puppenspiel, das nicht nur zwei unentwegt tätige Hände für die munteren Stellungswechsel ihrer zehn Protagonisten, sondern auch eine typische Gestik und differenzierte Stimmlage für jeden einzelnen Charakter fordert.  Mit Hilfe verschiedener Akzente vom schnarrenden Engländer bis zum weich gespülten Franzosen, aber auch mit witzigen Eigenschaften vom lispelnden Zögerer bis zur knarzigen Alten haucht sie den  Puppen ohne Übertreibung Leben ein und schenkt ihnen durch markante Kopf- und Körperdrehungen klare Konturen. Freilich sprechen auch die fantasievollen Figuren schon eine eigene Sprache. Anke Scholz hat die Häupter ihrer Lieben aus Latex geformt und zu erfrischend tiefgründigen Charakterköpfen modelliert, ihre Körper mit Schaumstoff zu viel sagenden Rundungen geführt und in pfiffige Kostüme gesteckt. So ist es ihnen ein Leichtes, im Rahmen der märchenhaft anmutenden Kulisse den Spaß am Puppenspiel zu wecken.