„MAX UND MORITZ“
Pforzheimer Zeitung
„Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke!“ – bekanntermaßen enden die wohl berühmtesten Lausebengel im deutschsprachigen Raum „Fein geschrotet und in Stücken“. Und auch im Puppenspiel „Max und Moritz“ von Anke Scholz nach Wilhelm Busch werden die beiden Übeltäter in ihre Einzelteile zerlegt. Sehr zur Freude einiger junger Zuschauer beim Figurentheater- Sommerfest, die die Rolle des Busch’schen Federviehs übernehmen und sich einen Happen der beiden genehmigen. Wie das möglich ist? Ganz einfach. Max und Moritz werden verkörpert durch einen Apfel und eine Birne. Und landen am Ende in einem Fleischwolf.
Die Grundidee der Puppenspielerin war, die beiden Früchtchen tatsächlich auf der Bühne zerkleinern zu wollen. Und da sie nicht für jede Aufführung neue Puppen bauen konnte griff sie zum Obst. Aber auch Besen, Obstkisten oder eine Miniatursackkarre haben in dem Puppenspiel für alle ab 4 Jahre vielfältige Aufgaben.
Eine Inszenierung mit einfachen Mittel, die überzeugte. Frau Scholz bewies mit diesem Stück ihre Fähigkeit auf der Straße Theater zu spielen.
Der Murgtäler
Vom üblen Treiben zweier Früchtchen... „Wo bleiben sie denn?“ fragte ein Knirps aus der ersten Reihe und rutschte ungeduldig auf seinem Hosenboden hin und her. „Die haben sich versteckt“ wisperte ihm seine Sitznachbarin zu. Sekunden später waren beide mucksmäuschenstill. Abwechselnd tauchten Besenhaare hinter dem himmelblauen Paravent auf. Unverkennbar zu Max und Moritz wurden sie über die Masken, die Anke Scholz aus dem Innenleben ihres Mantels nahm. Doch die beiden stilisierten Besen in Holzklötzen fungierten lediglich als sinnbildlicher „Kopf“ und Wächter über dem Geschehen. Denn die eigentlichen Protagonisten im quicklebendigen Puppenspiel mit Filz und Obst waren der Apfel-Max und der Birnen-Moritz. Das Anke Scholz spieltechnisch das Sagen hat weicht zwar von Wilhelm Buschs Vorlage ab, erhöht jedoch ungemein den Reiz und Unterhaltungswert seines Klassikers….Die Musik aus dem Off (Billy Bernhard und Peter Schmith) steigert zuverlässig die Spannung. Sogar das Ende des Schneiders wurde kindgerecht aufgelöst: er flog auf weißen Gänse-Handschuhflügeln davon… Die packende Inszenierung, mit wenigen Requisiten aber vielen Ideen ausgestattet, hatte die Phantasie der Kinder beflügelt. Aber nicht nur die. Sie staunten und lachten und waren von Anfang bis zum Ende engagiert dabei. Denn solch eine Max und Moritz- Version hatten weder sie noch ihre begleitenden Mütter jemals so hautnah wie aufregend erlebt.
Rheinzeitung
Faszinierendes Puppentheater einfühlsam gespielt von Anke Scholz im Kulturhaus Oberwesel... Diese Szenen nach Wilhelm Busch haben Generationen begeistert, und so war es auch beim Puppentheater: „Ritzeratze voller Tücke in die Brücke eine Lücke.“ Und der Schneider Böck alias „Ziegenböck“ fiel ins brausende Wasser. Da hatten nicht nur Max und Moritz ihren Spaß, auch die Kinder lachten vergnügt. Der nächste Streich folgte sogleich: „Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Lehrer Lämpel genießt beschwingt sein Pfeifchen, bis diese mit einem lauten Pulverknall explodiert. Und weiter geht das üble Streiche spielen, bis Bauer Mecke und Meister Müller dem ein Ende setzen: „Rickeracke, Rickeracke geht die Mühle mit Geknacke.“ Damit enden die beiden Lausbuben, verkörpert von einem Apfel und einer Birne, als gemahlener Fruchtbrei, den die Kinder, nachdem sie die Bühne stürmten, interessiert auf Lebenszeichen untersuchten.
Die exzellente Puppenspielerin Anke Scholz verstand es, mit wenigen Requisiten, pantomimischem Spiel, überraschenden Effekten und abgestimmter Musik die Kinder mitzureißen. Eine ungewöhnliche Inszenierung, die die kindliche Fantasie mit der bewährten Dichtkunst des genialen Wilhelm Busch anregte!
Rhein-Neckar-Zeitung
,,Mancher gibt sich viele Müh' mit dem lieben Federvieh", schrieb Wilhelm Busch in ,,Max und Moritz". Und manche machen sich viel Mühe, die Lausbubengeschichte in Szene zu setzen. So das ,,ArtisjokTheater" - oder genauer Anke Scholz, die ganz wunderbar die sieben Streiche in Bilder verwandelte. Die bekannte Geschichte wirkte wie ein Magnet, denn das Kindertheater, veranstaltet von der Gemeindebücherei Dossenheim, war ausverkauft. Entsprechend unruhig wurde es bisweilen. ,,Alle wieder hinsetzen", hatte Puppenspielerin Scholz die junge Zuschauerschar gleichwohl im Griff. Und fortan sprachen sie mit: ,,Dieses war der vierte Streich und der fünfte folgt sogleich." Während die Kinder köstlich amüsiert waren, was Max der Apfel und Moritz die Birne alles anstellten, waren die Erwachsenen zweifelsohne gespannt, wie die sieben Streiche gestaltet sein würden. Der Beginn war vielversprechend. Spitzbübische Besengesichter wachten während der gesamten Aufführung über das Geschehen. Apfel und Birne - sprich echtes Obst - spielten in einzelnen Szenen mit. Textlich wechselte Scholz zwischen Original, freier Erzählung und eigenen Zutaten So bot der Bäcker die gebackenen Früchtchen im Salzteigmantel zu sieben und sechs Euro zum Verkauf an. Die Figuren sprachen mit unterschiedlichem Akzent. Bauer Mecke war eindeutig sächsischer Herkunft und Witwe Bolte sprach eher mit osteuropäisch gesprochenem Deutsch. Überhaupt war die Witwe Bolte einfach köstlich anzuschauen. Täuschend echt war das Gekläff ihres Spitzes. Als die Federn der Hühner folgen, lachten die Kinder herzhaft auf. Nur als der arme Hund in Verkennung der wahren Geschehnisse mit der Bratpfanne gejagt wurde, erkannten sie nicht so recht den Unterhaltungswert und schauten eher erschrocken auf die Szene. Die Hühnerleiter wurde zur ,,Brücke mit Lücke". Mit Knall- und Lichteffekt wurde die Lehrer-Lämpel-Pfeife in Brand gesetzt. Witzig wurde die Backszene umgesetzt. Der feiste Bäcker mit roten Backen stäubte kräftig mit Mehl. Puppenspiel und Musik harmonierten trefflich. Scholz setzte die Lausbubengeschichte mit viel Phantasie und Kreativität um. Jede Szene verblüffte mit neuen Überraschungen. Blieb die Frage, wie die beiden wohl zu Hühnerfutter werden würden? Ein Fleischwolf machte aus dem saftigen Obst am Stück Geraspeltes. Auch diese Lösung spricht für sich.
Schwetzinger Zeitung
...Frau Scholz wusste vor allem durch ein abwechslungsreich gestaltetes Bühnenbild, viele kreative Einfälle und überraschende Effekte zu überzeugen. Die Musik aus dem Off war sehr gut abgestimmt und der Reiz für jeden Zuschauer an den schonungslosen Streichen von Max und Moritz hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren!
Die Norddeutsche 10.10.2011
Wo Witwe Bolte preußisch parliert – pfiffige Aufführung in Bremen-Vegesack
„Ach, was muss man oft von bösen Buben hören oder lesen!“ Wer erinnert sich nicht an Wilhelm Buschs Kinderbuch über die frechen Lausbuben Max und Moritz, deren legendären Streiche mit – aus heutiger pädagogischer Sicht – eher unverhältnismäßig harter Strafe geahndet wurden . Mit einer unterhaltsamen Aufführung des Klassikers begeisterte Anke Scholz gleich mehrere Generationen im Kindertheater des Bürgerhauses.
Das in der Pfalz ansässige ArtisjokTheater besteht als One-Women-Show ausschließlich aus der quirligen freischaffenden Puppenspielerin. Die Hohnsteinerin erweckte nicht nur Figuren zum Leben, sondern spielte auch etliche der Realfiguren aus den berüchtigten sieben Streichen der kecken Buben kurzerhand selbst. Ein kurzweiliges Vergnügen war die mit liebevollen Requisiten bestückte Show nicht nur bei den Kindern, die auf den Kissen vor der Bühne oder auf den Schößen der (Groß-)eltern hockten. Auch die Älteren freuten sich anlässlich der lang nicht mehr vernommenen, im O-Ton vorgetragenen Reime, denen Scholz durch originelles Beiwerk jegliche Betulichkeit nahm. Da war etwa die auf preußisch witzelnde Witwe Bolte („Ach Jott, ihr Siießen“), die angesichts ihrer durch Lausbubenhand gemeuchelten und anschließend aus dem Backofen entwendeten Hühner umso herzerweichender zu greinen verstand. Schneider Böck wurde symbolträchtig mit einer Holzschere als Rumpf dargestellt und fiel fluchend durch den mit unvergessenem „Ricke-Racke“ angesägten Holzsteg ins Wasser. Während der feiste Bäcker, der Max und Moritz in seinen Kuchenteig wickelte und in den Ofen schob, als französischer Croissantkünstler zum Schmunzeln anregte, zollte Scholz beim Bauer Mecke durch sächsische Sprachfärbung ihrer Heimatregion Tribut. Die Lausbuben, die schamlos Witwen malträtierten, Lehrkörper durch in Tabakspfeifen verstecktes Schießpulver in Rauch aufgehen ließen und den schlafenden Onkel Fritz mit Maikäfern traktierten, wurden anfangs als zwei an Strohbesen befestigte Masken eingeführt und im folgenden durch einen Apfel und eine Birne symbolisiert. Am Ende drehte Scholz ihre vorwitzigen Protagonisten der Vorlage gemäß durch den Fleischwolf. Bedenken, dass die Kinder durch den fatalen Ausgang der Moritat verschreckt würden, hat sie nicht. „Neulich sagte ein Kind: „Bei der Scheiße, die die gebaut haben, ist das auch gerecht.“, so die Allrounderin schmunzelnd.
„ICH SEH' ETWAS, WAS DU NICHT SIEHST...“
Rheinpfalz 8.12.2008
Spielerisch Sprache lernen – Zweisprachiges Kindertheater feiert Premiere im Landauer Haus am Westbahnhof
Im deutsch-französischen Grenzgebiet wie in der Südpfalz ist die Förderung der Zweisprachigkeit ein wichtiger Aspekt für Frieden und Verständigung zwischen den ehemals verfeindeten Nationen. Das sollte schon in der Grundschule beginnen. Das deutsch-französische Theaterprojekt des ArtisjokTheaters aus Schweighofen und der Compagnie En Verre et contre Tout aus Nancy hat sich diesem Aspekt gestellt und ein zweisprachiges Theaterstück für Kinder ab vier Jahren geschrieben. Besagtes Werk namens, "Ich seh' etwas, was du nicht siehst - Je vois quelque chose que tu ne vois pas" feierte im Landauer Haus am Westbahnhof am 30. November 2008 seine Uraufführung. Die Veranstaltung wurde passenderweise von der hiesigen deutsch-französischen Gesellschaft präsentiert. Die Schauspielerin Anke Scholz vom ArtisjokTheater und die Regisseurin Sophie Ottinger von der Compagnie En Verre et contre Tout waren gespannt, ob ein zweisprachiges Theaterstück bei den kleinen und großen Zuschauern Anklang findet. In dem fantasievollen Ein-Personen-Stück rund um die Protagonistin Anke Scholz geht es um die Macht der Farben. Es geht darum, ob wir nur in einer einfarbigen, weißen Welt leben möchten oder in einer bunten. Frau Weiß lebt in ihrer weißen Welt. Da ist wirklich alles weiß: das Bett, die Wand, die Bettdecke, das Kissen, ihre Kleidung, ja sogar ihre Schuhe sind weiß. Sie spielt mit sich selbst das länderübergreifende Kinderspiel, „Ich seh' etwas, was du nicht siehst". Ganz anders ist da ihr Schatten, der mag auch Farben. In seiner Welt gibt es Rot, Blau, Gelb, Grün und auch eine Mischung vieler Farben. Frau Weiß hat erst Angst vor dieser Welt, dann gefällt es ihr aber und sie spielen gemeinsam und zweisprachig „Ich seh' etwas, was du nicht siehst - Je vois quelque chose que tu ne vois pas". Beiden macht das viel Spaß. Genauso wie den kleinen und großen Zuschauern, die bei dieser Premiere spielerisch Französisch lernen oder wieder mal auffrischen konnten. Anke Scholz war in der Lage, in dem fantasievollen Ein-Personen-Stück das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Sie hatte immer Überraschungen parat: es gab unter anderem rhythmische Musik, einen Tanz mit einem roten Luftballon, deutsche Sprache und französische Sprache. Da konnte es nicht langweilig werden. Aber sicher wird es nicht bei einer Aufführung bleiben, denn in diesem Stück steckt eine gehörige Portion Motivation, um die Sprache des Nachbarn zu lernen oder aufzufrischen.
© Dernières Nouvelles D'alsace, Vendredi 09 Janvier 2009. - Tous droits de reproduction réservés
Des couleurs pour des idées
La comédienne fait décrypter à sa marionnette l'écran où s'entremêlent les couleurs qu'elle a mélangées.
Deux centaines d'enfants, alsaciens et palatins, ont assisté ces jours-ci aux représentations d'un spectacle créé à leur intention à Wissembourg. La comédienne, Anke Scholz, originaire de Schweighofen, a en effet séjourné dans la cité de Stanislas au cours de l'été pour y écrire et créer sa pièce «Je vois quelque chose que tu ne vois pas».
Trois draps blancs tendus sur la scène. Une lueur bleue se propage avant l'apparition de silhouettes en ombres chinoises. Le bleu est omniprésent, des méduses qui flottent laissent imaginer qu'il s'agit de la mer. Puis soudain émerge une silhouette; un ballon rouge lui tient lieu de tête. La silhouette prend forme humaine. Chacun perçoit les choses à sa façon
Apparaît la comédienne, de noir vêtue qui, pendant une bonne demi-heure, va se livrer à un savant coloriage d'aquarelle retranscrit sur écran par un vieux rétroprojecteur. Couleurs et musiques s'entremêlent comme autant d'idées, de sentiments. Une marionnette viendra donner la note finale pour mieux faire passer le message.
Insolite, étonnant, ce monologue - avare de mots - sur le thème des couleurs a beaucoup plu aux enfants. Anke, en professionnelle du spectacle, explique sa démarche : « Le monde n'est pas que noir et blanc. A travers la palette de couleurs, je veux dire aux enfants qu'il y a mille et une façon de considérer les choses. Que chacun a sa façon de voir, de percevoir, d'interpréter. "Je vois des choses que tu ne vois pas", c'est l'expression de notre identité à chacun ». Anke Scholz a déjà joué à Wissembourg, une ville qu'elle apprécie pour son ouverture vers l'Allemagne et sa pratique du bilinguisme : « Ici, plus qu'ailleurs, la tolérance est nécessité. Il faut sortir de son petit monde pour aller voir ce qui se passe chez le voisin. En Alsace, ce côté bi-culturel est très présent dans les mentalités. Plus qu'en Palatinat, du moins... ». Bilingue elle-même, Anke Scholz, 39 ans, pratique avec bonheur le rapprochement transfrontalier, elle qui a mis en relation une troupe de Nancy et un lieu de spectacle de Landau. « Je suis ravie de travailler au relais culturel de Wissembourg, parce qu'on y pratique cette ouverture d'esprit au quotidien ». D'ailleurs, la Regio Pamina ne s'y trompe pas, qui subventionnera sa création. (Marcel Neiss)
Südpfalzkurier 22.4.2009
Das deutsch – französische Kindertheaterstück des ArtisjokTheaters handelt vom Rückzug der Frau Weiß in eine weiße Welt. In diesem lähmenden, eintönige Mikrokosmos, liegt Frau Weiß seufzend im Halbschlaf und vergewissert sich immer wieder, dass alles bleibt wie es ist ...weiß...weiß.....weiß. Im Traum begegnet Frau Weiß ihrem personifizierten Schatten, dem Unterbewusstsein. Vorsichtig nähert sich ein zartes Blau in Form eines großen Tuches, die Kulisse für ein Schattenspiel unter und über Wasser. Fischschwärme wechseln von rechts nach links und von links nach rechts, Schiffe fahren auf dem Wasser, ein Taucher erkundet den Untergrund. Eine turbulente Begegnung mit den Grundfarben beginnt. Ein Traumbaum, an welchen die Schattenfrau bunte, geometrische Formen in Bewegung bringt, erblüht. Lichtspiele mit Farben die in einander fließen und sich zu neuen Farben vereinigen, betören die Schlafende und die Zuschauer. Aufgewacht, ist Frau Weiß unzufrieden mit dem weißen Leben; der Traum hat sie ins Leben zurückgeführt.
Fesselnd und ideenreich hat Anke Scholz hat diese wunderbare Geschichte erzählt, die dem Betrachter Raum lässt für eigene Assoziationen. Kinder und Erwachsene waren dem Alltag an diesem düsteren Samstagnachmittag eine knappe Stunde entkommen.
„FLORA PRIMELWURZ“
Die Rheinpfalz 6.3.2010
Stachelkerl und Schlingelkringel – Die Frau mit dem Grünen Daumen Anke Scholz führt Kinder in die Welt der Pflanzen ein. Was es alles für Pflanzen gibt! Von der anschmiegsamen Pantoffelblume bis zur aufmüpfigen Revoluzzie wachsen sie bei Flora Primelwurz: am Donnerstag erlebte eine begeisterte Schar kleiner Zuschauer im Haus Cartoir einen bunten Garten der besonderen Art mit dem ArtisjokTheater.
Bühnendarstellerin Anke Scholz hat ihr neues Solostück (Text und Regie: Jan Mixsa) mit selbst gefertigten Figuren ausgestattet. Das Interessante dabei: die blumigen Lebewesen, vornehmlich aus Filz geformt, sind zu einem Teil den wirklichen Pflanzen nachgebildet, etwas der schöne Fingerhut und der ebenso giftige Seidelbast. Zum anderen aber entsprießen sie der lebhaft blühenden Phantasie der ausgebildeten Gärtner. Die Frau auf der Bühne „im besten Alter und jünger aussehend“ und der Mann an der Regie sind also vom Fach. Und das in doppelter Hinsicht, denn sie lässt ihr fundiertes Wissen von den Pflanzen kindgerecht mit bildhafter Bühnenarbeit zusammenwachsen.
Besonders in den ersten Szenen kommen der Aufführung für Kinder ab 5 Jahre viele witzige Einfälle zugute. Wie sehr die Gärtnerin Flora Primelwurz, von Anke Scholz spielfreudig verkörpert, mit ihren geliebten Pflanzen verwachsen ist, zeigt sich, wenn sie ihnen Wasser gibt. In ihrem Hut, in der Innentasche des Arbeitskittels und auch aus den Schuhen grünt und gedeiht es. Anke Scholz betriebt mit ihren kleinen Zuschauern Pflanzenkunde auf besonders unterhaltsame Art. Und während die Gärtnerin geschäftig hin und her eilt, um den vielen Ansprüchen ihrer Gewächse gerecht zu werden, erklingen die seltsamsten Namen: Da rankt sich eine anhängliche Schlingelkringelkletterpflanze an Floras Bein empor, und die Justinie und Kevinie bilden wohl Gattungen der ganz neumodischen Art.
Schauspielerisch agiert Anke Scholz lebendig, leichthändig und munter. Die Zwiegespräche, etwas mit dem originellem Grünen Daumen führt sie so geschickt vor, dass der Zuschauer kaum merkt, dass alle Worte aus ihrem Mund kommen.... Mitunter wuchern die Handlungen ein bisschen wild durcheinander. Dennoch: Die Kinder verfolgen gespannt, wie der stachlige Kaktus die allzu zickige Mohnblume in ihre Grenzen weist. Und wie ein ganz ungewöhnlicher Gartenzwerg namens Zwen, der sich sinnigerweise gegen Klischees wehrt, die überforderte Gärtnerin tröstet und wieder alles in die rechte Wuchsrichtung bringt. Unaufdringlich keimt eine kleine grüne Botschaft: Der rechte Gärtner pflegt, aber er kann auch mit Freude zuschauen, wenn sich unerwartete Blüten entfalten und überraschende Besucher im Gartenparadies einstellen. Mäuse zum Beispiel. Oder namenlose Phantasiegewächse, die seltsame, aber schöne Blüten treiben.
Die Rheinpfalz 16.3.2010
Wie ein Pantoffel zur Blume wird. Die Puppenspielerin Anke Scholz überzeugte am Samstag durch originelle Konzeption, ideenreiche, lebendige Präsentation und abwechslungsreiche Illustration botanischer Thematik....Die ansprechende Aufführung beginnt mit der Einführung einer auktorialen Erzählerin, die sich als Flora Primelwurz, als Gärtnerin aus Leidenschaft vorstellt und zwar im besten Alter – aber, so der Wortlaut, jünger aussehend. Sie sucht mit ihrem zum botanischem Garten umgebauten Wagen ein lauschigens Plätzchen für ihre Pflanzen. Sie verteilt Gießwasser, spannt für die Schattenpflanze ein Schirmchen auf, hegt und pflegt sie rührend. Dabei werden die Blumennamen wörtlich übertragen für die angefertigten Blumen- und Pflanzentatrappen: Beispielsweise wird die Pantoffelblume als Pantoffel mit Blume vorgeführt. Symbolische und allegorische Aspekte verraten daher zunehmend die pädagogische Absicht der gekonnten und lebendigen Darstellung. Es handelt sich letztlich um eine Art gespielte, kindgerechte Pflanzenkunde mit Klassifikation nach Nutz- und Heilpflanzen, bedroht oder begünstigt durch die Symbiose mit einer Welt von Insekten. Dieses „Zusammenspiel“ von Fauna und Flora in ihrem gezeigten Minikosmos wird stringent dargestellt. Dabei wird der Kreislauf der Natur vermittelt (Vermehrung von Pflanzen durch Samen etwa), und Anke Scholz alias Flora Primelwurz bringt Pflanzen und Tiere in ihrer Interaktion miteinander zum Sprechen. Visuell ist dabei die liebevoll arrangierte, detaillierte Ausstattung von großer Hilfe, die sie als weiteren Pluspunkt in die Waagschale wirft. Ebenso ihr enormes schauspielerisches und komödiantisches Potenzial, das sie geschickt abruft. Das Textbuch von Jan Mixsa, auf das sie ihre Parabel des harmonischen Miteinanders von Fauna und Flora letztlich aufbaut, setzt Interesse, Vorbildung, Neugier, Wissensdurst und forschenden Tatendrang bei den Kindern voraus.
Schwetzinger Zeitung 15.3.2010
Ausverkauftes Haus! In Floras Garten blüht die Phantasie. So ein Garten, der kann es ganz schön in sich haben. Bei Flora Primelwurz jedenfalls geht es wieder einmal kreuz und quer durch die Botanik,doch gottlob gehört sie zu den „Floristikerinnen“ allererster Güte. Sie hat eben diese besonderre Gabe, mit den Pflanzen sprechen zu können. Verrückt soll so etwas sein?- „Nö, eher einzigartig.“, ist sie sich gewiss und darum kommt in ihrem Pflanzenreich auch selten Langeweile auf. Quirlig agiert Puppenspielerin Anke Scholz, die gesamte Geschichte um diese Pflanzenliebhaberin der besonderen Art ist kindgerecht verpackt und hat Esprit. Deshalb lassen sich die jungen Zuschauer gern auf die Inszenierung ein und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Ihre pflanzlichen Schönheiten den Stängel-Rücken zu kratzen, genügend Zuckerwasser zu verteilen, wenn es zuweilen zieht, den Wind abhalten und selbstredend immer für ausreichend Sonneneinwirkung zu sorgen, das sind die Aufgaben, die eine resolute Gärtnerin einfach zu bewältigen hat. Und wenn eine Blüte Angst vor Falten haben sollte, hilft gutes Zureden allemal. „Flora, ist mein Rot schön?“ - „Ja, schön rot...“ Die Kinder (und nicht nur die) hatten ihren Spaß, und wenn Flora Primelwurz doch einmal alles zuviel wird, gibt es immer noch die Botanik-Bibel und natürlich den Grünen Daumen.
Im offenen Spiel agiert Anke Scholz, erweckt ihre Helferchen zum Leben und liebevoll kreativ bis ins kleinste Detail präsentiert sich ihr Bühnenbild, in diesem Falle eine beinahe nicht mehr zu überblickende Ansammlung von Gerätschaften und Pflanzen. Es ist eben Floras Reich und da sollte auch die Schädlingsbekämpfung nicht zu kurz kommen. Wenn nur nicht andauernd die Schnecken wegrennen würden und wenn das Mäusegift gegen eine Packung guter Kekse ausgetauscht wird, überrascht der große Hunger von Frau Maus wenig. „An den Sonnenschirm denken, sonst geht doch die Rose kaputt!“ Auch zum Ende der Geschichte sind die Kinder mittendrin in Floras Fantasiewelt. Und wenn dann plötzlich ein neues Saatkorn aufzugehen scheint, bleibt nur noch die Frage zu lösen, welche Pflanzenart nun Floras Gartenwelt zusätzlich bereichern wird. Eine Musikpflanze? Eine Bonbon-Pflanze? - Egal, in jedem Falle wird sie gehegt und gepflegt...
Nassauische Neue Presse 2.9.2011
Sie ist ledig, nennt sich vielseitig und ist stets auf der Suche nach einem Platz für ihre vielen Pflanzen. Einen Nachmittag lang fand „Flora Primelwurz“ diesen Platz im Garten des Hauses Eberhard. Umgeben von erwartungsvollen Kindern stellte die Gärtnerin die „Rose als Blume der Liebe“ vor, kramte Kletterpflanze, Blumenuhr und stacheligen Kaktus hervor und nahm die aufmerksamen Zuhörer mit auf eine Reise durch die Botanik. Bundesgartenschau in Koblenz, Gartensommer in Diez – was gibt es Besseres, als im Garten Theater zu spielen und etwas über Blumen und Pflanzen zu erfahren. Und in der Tat, „Flora Primelwurz“ hatte alle Hände voll zu tun, um ihr Pflanzengewusel unter Kontrolle zu halten und die Kinder mit Informationen zu versorgen.
Von der Gärtnerin (Anke Scholz) erfuhren sie im Zwiegespräch mit dem „Grünen Daumen“ und Gartenzwerg Zwen etwas über botanische Zaubersprüche, wie man die Sprache der Pflanzen versteht und welche Tiere im Garten anzutreffen sind. Mit einem Sammelsurium aus Nähkästchen, Vogelkäfig, Sonnenschirm, Gießkannen, Heckenschere und Korbtruhen war die Puppenspielerin mit einem abenteuerlichen Gefährt angereist. Und schnell sollte sich zwischen Maiglöckchen und Fliegenpilz herausstellen, dass Schönheit oft ungesund sein kann. „Gift – Gefahr – Tatütata!“, warnte Flora die Jungen und Mädchen vor dem Inhalt ihres „Giftschrankes“ stellte zugleich aber klar, das die in dem Käfig ausgestellten Giftpflanzen bei richtiger Anwendung durchaus auch nützlich sein können. „Es hängt immer von der Dosis ab.“
Nützlicher Schönling, schöner Nützling – kam der Schmetterling recht gut weg; hat es die Wühlmaus nur den Kindern zu verdanken, dass sie beim Treffen mit der Gärtnerin noch einmal mit dem Leben davon kam. Flora, mit Schutzhelm, Brille und Knollennase ausgestattet, hatte den Eindringling erwischt: die Wurzel war abgefressen und der Weinstock eingegangen. Für das weitere Zusammenleben wurden ganz im Sinne der Zuschauer strikte Verhaltensregeln vereinbart.
Rhein-Zeitung 2.9.2011
Eine kindgerechte und zugleich lehrreiche gärtnerisch Hommage an den berühmten Diezer Pomologen Adrian Diehl samt seinem Kollegen Carl von Linné zauberte die quirlige Anke Scholz auf die provisorische Bühne im Garten des Hauses Eberhard. Mehr als 60 Kinder hatten den Weg zu „Flora Primelwurz“ gefunden und lauschten mit großer Aufmerksamkeit der lebhaften Auseinandersetzung diverser Pflanzen mit ihrer Gärtnerin Flora auf der kleinen illustren Bühne, die von Anke Scholz allein und temporeich in naturnahen Szenen belebt wurde. Einigen Erwachsenen schien das Stück mit den schnell wechselnden und zugleich fachlichen Dialogen fast zu überladen. Doch war es speziell für die Kinder bestimmt – und die saßen mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen und verfolgten gespannt die Aktivitäten von Flora Primelwurz. und ihren Gesprächspartnern.
So erfuhren die aufmerksamen jungen Theaterbesucher, dass es Nützlinge und auch Schädlinge im Garten gibt, die sich den Pflanzen nicht immer auf angenehme Weise nähern. Einen Giftschrank hatte Flora dabei, in dem sie Fingerhut, Maiglöckchen und Seidelbast vorsichtshalber wegsperrte. Doch auch ihre Lieblinge, der rote Mohn, der grüne Kaktus und die empfindsame Mimosa standen im Fokus ihrer Obhut. Nicht nur regelmäßiges Gießen, auch angepasste Pflege sollten die empfindlichen Pflanzen bekommen, meinten der Grüne Daumen, die kesse Wühlmaus und auch Professor Zwen.
Der Versuch der Theaterinitiatoren, für die Kinder ein lehrreiches und zugleich spannendes Theaterstück nach Diez zu holen, ging auf: mit Anke Scholz, die in Hohnstein, der Stadt der bekannten Puppenspiele, geboren und seit 1994 als freie, professionelle Figurenspielerin tätig ist, gelang dem So-Theater-Team um Dr. Volker Schwamborn ein guter Griff. Zufriedene Mütter mit motivierten Kindern waren sichtlich beeindruckt, als Flora Primelwurz zum Abschied noch Samentütchen verteilte und „grüne“ Tipps gab.
„VORFREUDE, SCHÖNSTE FREUDE“
Südpfalz Kurier 9.12.2009
In Scharen strömte Groß und Klein in die Schweighofener Kulturhalle, um sich vom ArtisjokTheater mit adventlicher Vorfreude anstecken zu lassen. Anke Scholz ließ die Zuschauer einen - streng vertraulichen – Blick hinter die Türchen eines riesigen Adventskalenders werfen. Hier fanden sich von 1 bis 24 die Requisiten, die die Geschichte um die Familie Sandberg und die Eheleute Hosianna und Ruben Eckström vorantrieb. Die Sandbergs fliegen im November für eine Woche in den Urlaub nach Spanien. Mama will „was erleben“, Papa seine Ruhe, der kleine Johannes muss sich ständig gegen seine beiden frechen Brüder, die ihn verächtlich „Erbse“ nennen, wehren. Im Flugzeug lernen sie Ruben kennen, der mit seiner Frau im Süden Kraft für seinen Beruf tanken will. Ruben trägt einen sehr langen Bart und sagt, dass er seinen Beruf nur an einem einzigen Tag im Jahr ausübe, was aber nicht minder anstrengend wäre. „Plemplem“, sagen die frechen Brüder und auch ihre Eltern wisse nicht, was sie davon halten sollen. Doch Johannes hat Ruben gern und Ruben mag Johannes. Am 24. Dezember schließlich erlebt Johannes eine Überraschung: Als der Weihnachtsmann die Sandbergs in ihrem trauten Heim besucht und alle Geschenke nur fpür die „Erbse“ bestimmt sind, reagieren die Brüder fassungslos. Johannes erkennt in dem Weihnachtsmann seinen Freund mit dem langen Bart aus dem Urlaub wieder. „Pssst!“, macht Ruben und entschwindet lächelnd. Johannes aber teilt die Geschenke brüderlich und die Familie feiert friedlich Weihnachten.
Anke Scholz spielte gekonnt mit der Faszination, die von jedem Adventskalender ausgeht. Dieses Warten auf den nächsten Tag, das ungeduldige Suchen nach dem nächsten Türchen und die spannende Erwartung auf das dahinter Verborgene. All das übertrug sich von Anfang an von der Bühne auf das junge Publikum. Witzige Dialoge mit einigem familiärem Wiedererkennungswert ließen besonders die Erwachsenen aufhorchen und schmunzeln und musikalische Einspielungen, live und von der Konserve, machten die Vorfreude zur schönsten Freude an diesem Theaternachmittag. Das Publikum applaudierte anhaltend.
Rheinpfalz 10.12.2009
Große Kinderaugen. Gespannte Stille. Kerzenschein. So oder ähnlich war der Eindruck in der Kulturhalle. Alle waren ungeheuer gespannt, was sie da so erwarten würde. Nun ging es los. Leise Musik. Die Rückwand der hell beleuchteten Bühne mit einem roten Seidentuch überzogen. Davor die „Minibühne“ der Puppen.... Die Fähigkeiten und Erfahrungen der Anke Scholz begeistern auch an diesem Abend die Kinder restlos!
Rheinpfalz 11.12.2009
Was in einen Adventskalender alles reinpasst! Besonders, wenn er so riesig ist wie der am Mittwoch beim Kindertheater im Zweibrücker Jugendzentrum. Aus den 24 Stoffbeuteln holte Anke Scholz allerlei Puppen und Pipapo, um ihre Geschichte zu erzählen. Eigentlich dürfte dieser Adventskalender gar nicht aufgemacht werden. Denn Hosianna, die in Norwegen in einer Spielzeugfabrik arbeitet, hat ihn, so wie er da im Juz hängt, extra für Emma anfertigen lassen. Emma wünschte sich einen besonderen Adventskalender, einen, den es noch nie gegeben hat. Natürlich hat die Holzpuppe Hosianna auch einen Mann, Ruben, der einen verdächtigen Weihnachtsmann-Bart hat und vorgibt, nur einmal im Jahr zu arbeiten. Wenn da nicht alle Glocken läuten. Aber so weit ist es noch nicht, denn der Weihnachtsmann kommt zum Schluss . Wenn die Kinder nun aber versprechen, dass sie Emma nichts verraten, gut, dann kann Puppenspielerin Anke Scholz diesen Adventskalender auch mal vorführen. Los geht's mit Musik, denn im ersten Beutel sind eine Flöte und ein Tannenbaum. Die Kinder lassen sich zum Mitsingen von ,,Oh Tannenbaum“ animieren und genießen es sichtlich, mit eingebunden zu werden. Bei jedem weiteren Adventskalender-Beutelchen werden sie nicht müde, mit dem Finger drauf zu zeigen, wo es hängt.,,Des is jo durchenanner, die Nummern", findet ein Kind, wird jedoch gleich von seinen Kameraden belehrt, dass das bei Adventskalendern immer so ist. Vor dem Weihnachtsstress wollen sich Hosianna und Ruben ein wenig ausruhen. Sie machen eine Reise mit dem Koffer aus Nummer zwei und der Holzpuppen-Familie Sandberg, die Anke Scholz genauso dem Kalender entnimmt wie Spanienflagge, Liegestühle, Schaufel, Eimer, Wasserball und Strandmatte. ,,,Die macht das schunn eleen, du brauchscht net so zu schrein", ermahnt ein Kind ein anderes, das eifrig auf die nächste Nummer zeigt. Allerlei Verrücktes wird da im Urlaub in Spanien erlebt und der jüngste Sohn der Familie freundet sich mit dem alten Ruben an. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Später, wenn der Weihnachtsmann kommt. Erst müssen die Norweger in ihre kalte Heimat zurück und dort wird’s dann ganz adventlich mit Kranz, Kerze, Räuchermännchen und allem, was zu einem ordentlichen Fest dazugehört. Ein Rentier, ein Weihnachtsmannarbeitsmantel und ein Sack voller Geschenke kommen aus dem Adventskalender heraus. Damit zieht Ruben los und beschenkt nur den jüngsten Spross der Familie Sandberg, der in ihm sofort seinen Bekannten aus Spanien erkennt. Doch der Kleine teilt unaufgefordert mit seinen Brüdern. „Und, wird sich Emma über diesen Adventskalender freuen?", will Anke Scholz, die alle Rollen wunderbar nuanciert vorträgt, wissen. Klar wird sie das, sind sich die Kinder einig. Sie drängen hastig zum Ausgang. Der vierjährige Tom hat's gar nicht eilig. Er geht zu der Puppenspielerin, erkundigt sich nach dem Räuchermännchen und will unbedingt wissen, was in dem Geschenk drin ist, das der Weihnachtsmann dem Jüngsten brachte.
"UND DANN GAB'S KEINES MEHR"
Die Rheinpfalz 22.3.2011
Theater der etwas anderen Art, nämlich in Form der wunderbar antiquiert anmutenden Puppenbühne von Anke Scholz, gab es anlässlich des 100. Internationalen Frauentages im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Brot und Rosen" am Sonntag im voll besetzten Haftelhof bei Schweighofen. Es war zugleich die Premiere einer ungewöhnlichen Agatha-Christie-Adaption der ,,Zehn kleinen Negerlein", die unter dem Titel "Und dann gab's keines mehr" fröhlich Urständ feiern soll. Darf man heute noch das fast 150 Jahre alte Kinderlied von den "Zehn kleinen Negerlein" intonieren? Den 1939 mit gleichem Titel zu Weltruhm gelangten- aber damals bereits rassistischen Anschuldigungen ausgesetzten- Kriminalroman von Agatha Christie inszenieren? Dabei ganz aktuell zehn kleine Negerköpfe visualisierend, die nach und nach mit einer Art Reißleine außer Sichtweite gezogen werden? Die Puppenspielerin Anke Scholz nimmt sich diese fragwürdige Freiheit und spricht von einem Stück mit "...viel Blut und wenig Restrisiko", das sie wohl auch dadurch zu mindern versucht, dass einer ihrer Protagonisten gleich zu Beginn erklärt:"Heutzutage heißt das Schwarzafrikaner". Ansonsten bleibt beim Figurentheater "Und dann gab's keines mehr", das den neu aufgelegten Buchtitel führt, eigentlich alles beim Alten, also bei der raffinierten Geschichte um zehn Personen, die von einem anonymen Gastgeber auf eine einsame Insel eingeladen werden. "Jeder Einzelne von Ihnen hat sich eines ungesühnten Verbrechens schuldig gemacht" und mehr oder weniger direkt einen oder gar mehrere Tote auf dem Gewissen, für die er nun büßen soll. Die Ermittlungen vor Ort und damit auch die indirekte Regie übernimmt von Anfang an die Staatsanwältin, die "nicht nur anklagen, sondern auch selbst richten will" und dabei eine Mordslust entwickelt. So verliert einer nach dem anderen erst die Contenance und dann das Leben. Im Schunkelrhythmus mit dem immer wieder gesungenen Kinderreim von den zehn Negerlein bleibt am Ende niemand übrig. Außer der Puppenspielerin selbst, die in gleichem Gewand wie die Staatsanwältin agiert, und am Ende - gewiss als Zeichen dafür, dass letztendlich sie die Herrin über das Geschehen ist - in die Rolle der Richterin schlüpft. Ein cleverer Regieeinfall von Jan Mixsa, der auch das stimmungsvolle Bühnenbild mit barocken Anklängen schuf, das Rüdiger Jacobsen mit stilgerechten Kompositionen und Musikeinspielungen untermalte. Viel Bewunderung verdient Anke Scholz für ihr umsichtiges Puppenspiel, das nicht nur zwei unentwegt tätige Hände für die munteren Stellungswechsel ihrer zehn Protagonisten, sondern auch eine typische Gestik und differenzierte Stimmlage für jeden einzelnen Charakter fordert. Mit Hilfe verschiedener Akzente vom schnarrenden Engländer bis zum weich gespülten Franzosen, aber auch mit witzigen Eigenschaften vom lispelnden Zögerer bis zur knarzigen Alten haucht sie den Puppen ohne Übertreibung Leben ein und schenkt ihnen durch markante Kopf- und Körperdrehungen klare Konturen. Freilich sprechen auch die fantasievollen Figuren schon eine eigene Sprache. Anke Scholz hat die Häupter ihrer Lieben aus Latex geformt und zu erfrischend tiefgründigen Charakterköpfen modelliert, ihre Körper mit Schaumstoff zu viel sagenden Rundungen geführt und in pfiffige Kostüme gesteckt. So ist es ihnen ein Leichtes, im Rahmen der märchenhaft anmutenden Kulisse den Spaß am Puppenspiel zu wecken.
Hersfelder Zeitung, 28.11.2011
Schauriges Spiel zum Dinner – Im Hersfelder Jugendhaus erleben tafelnde Zuschauer einen Puppenspiel-Krimi
"Für unerschrockene Jugendliche und Erwachsene“ stand auf der Einladung zum ersten schmackhaften Krimi-Vergnügen, zu dem die Stadtjugendpflege in das Kinder- und Jugendhaus eingeladen hatte. Es sollten mörderische Rätsel gelöst und blutige Tatsachen aufgedeckt werden. Dazu wurde Herzhaftes und Feuriges von den Mitgliedern der Theatergruppe des Jugendhauses höflich und zuvorkommend serviert. Zubereitet wurden die Schmankerl im Ausbildungsrestaurant „Auf der Hohen Luft“.
Etwas 50 Gäste saßen beim Kerzenschein in einer erst heimeligen und dann immer gespenstischer werdenden Atmosphäre. Was zunächst mit fröhlicher Musik und dem Kinderlied von den 10 kleinen Negerlein begann, endete mit schaurigen Klängen. Das man heutzutage nicht mehr von „Negern“, sondern von „Schwarzafrikanern“ spricht, wurde gleich zu Beginn des Spiels von einer Puppe erklärt. Keine der zehn Personen, die sich auf der einsamen Insel treffen, überlebt. Der Zuschauer ist die ganze Zeit über gefordert, nach dem Mörder zu suchen, der sich ein Opfer nach dem anderen aussucht. Die oben an der Decke hängenden „Negerköpfe“ verraten den dramatischen Fortgang der Handlung, denn ihre sich stetig vermindernde Anzahl kündigt den nächsten Mord an. Am Ende gibt sich die Mörderin zu erkennen, bevor sie Selbstmord begeht und dazu auch die letzte Überlebende anstiftet. Ab diesem Moment greift Anke Scholz selbst ins Geschehen ein und übernimmt die Rolle der Anwältin, mit der sie absolut identisch gekleidet ist. Dies ist ein Schachzug des Regisseurs Jan Mixsa. Scholz beherrschte die schauspielerische Kunst, jeder ihrer Figuren ein eigenes Naturell zu verpassen. Alt und gebrochen, lispelnd, arrogant oder mit französischem Akzent ließ sie ihre Protagonisten zu Wort kommen. |