Pressespiegel „Max & Moritz“

Die Norddeutsche 10. Oktober 2011

Wo Witwe Bolte preußisch parliert – pfiffige Aufführung in Bremen-Vegesack

„Ach, was muss man oft von bösen Buben hören oder lesen!“Wer erinnert sich nicht an Wilhelm Buschs Kinderbuch über die frechen Lausbuben Max und Moritz, deren legendären Streiche mit – aus heutiger pädagogischer Sicht – eher unverhältnismäßig harter Strafe geahndet wurden . Mit einer unterhaltsamen Aufführung des Klassikers begeisterte Anke Scholz gleich mehrere Generationen im Kindertheater des Bürgerhauses. Das in der Pfalz ansässige ArtisjokTheater besteht als One-Women-Show ausschließlich aus der quirligen freischaffenden Puppenspielerin. Die Hohnsteinerin erweckte nicht nur Figuren zum Leben, sondern spielte auch etliche der Realfiguren aus den berüchtigten sieben Streichen der kecken Buben kurzerhand selbst. Ein kurzweiliges Vergnügen war die mit liebevollen Requisiten bestückte Show nicht nur bei den Kindern, die auf den Kissen vor der Bühne oder auf den Schößen der (Groß-)eltern hockten. Auch die Älteren freuten sich anlässlich der lang nicht mehr vernommenen, im O-Ton vorgetragenen Reime, denen Scholz durch originelles Beiwerk jegliche Betulichkeit nahm. Da war etwa die auf preußisch witzelnde Witwe Bolte („Ach Jott, ihr Siießen“), die angesichts ihrer durch Lausbubenhand gemeuchelten und anschließend aus dem Backofen entwendeten Hühner umso herzerweichender zu greinen verstand. Schneider Böck wurde symbolträchtig mit einer Holzschere als Rumpf dargestellt und fiel fluchend durch den mit unvergessenem „Ricke-Racke“ angesägten Holzsteg ins Wasser. Während der feiste Bäcker, der Max und Moritz in seinen Kuchenteig wickelte und in den Ofen schob, als französischer Croissantkünstler zum Schmunzeln anregte, zollte Scholz beim Bauer Mecke durch sächsische Sprachfärbung ihrer Heimatregion Tribut. Die Lausbuben, die schamlos Witwen malträtierten, Lehrkörper durch in Tabakspfeifen verstecktes Schießpulver in Rauch aufgehen ließen und den schlafenden Onkel Fritz mit Maikäfern traktierten, wurden anfangs als zwei an Strohbesen befestigte Masken eingeführt und im folgenden durch einen Apfel und eine Birne symbolisiert. Am Ende drehte Scholz ihre vorwitzigen Protagonisten der Vorlage gemäß durch den Fleischwolf. Bedenken, dass die Kinder durch den fatalen Ausgang der Moritat verschreckt würden, hat sie nicht. „Neulich sagte ein Kind: „Bei der Scheiße, die die gebaut haben, ist das auch gerecht.“, so die Allrounderin schmunzelnd.

Schwetzinger Zeitung

…Frau Scholz wusste vor allem durch ein abwechslungsreich gestaltetes Bühnenbild, viele kreative Einfälle und überraschende Effekte zu überzeugen. Die Musik aus dem Off war sehr gut abgestimmt und der Reiz für jeden Zuschauer an den schonungslosen Streichen von Max und Moritz hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren!

Pforzheimer Zeitung

„Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke!“ – bekanntermaßen enden die wohl berühmtesten Lausebengel im deutschsprachigen Raum „Fein geschrotet und in Stücken“. Und auch im Puppenspiel „Max und Moritz“ von Anke Scholz nach Wilhelm Busch werden die beiden Übeltäter in ihre Einzelteile zerlegt. Sehr zur Freude einiger junger Zuschauer beim Figurentheater- Sommerfest, die die Rolle des Busch’schen Federviehs übernehmen und sich einen Happen der beiden genehmigen. Wie das möglich ist? Ganz einfach. Max und Moritz werden verkörpert durch einen Apfel und eine Birne. Und landen am Ende in einem Fleischwolf. Die Grundidee der Puppenspielerin war, die beiden Früchtchen tatsächlich auf der Bühne zerkleinern zu wollen. Und da sie nicht für jede Aufführung neue Puppen bauen konnte griff sie zum Obst. Aber auch Besen, Obstkisten oder eine Miniatursackkarre haben in dem Puppenspiel für alle ab 4 Jahre vielfältige Aufgaben. Eine Inszenierung mit einfachen Mittel, die überzeugte. Frau Scholz bewies mit diesem Stück ihre Fähigkeit auf der Straße Theater zu spielen.

Der Murgtäler

Vom üblen Treiben zweier Früchtchen… „Wo bleiben sie denn?“ fragte ein Knirps aus der ersten Reihe und rutschte ungeduldig auf seinem Hosenboden hin und her. „Die haben sich versteckt“ wisperte ihm seine Sitznachbarin zu. Sekunden später waren beide mucksmäuschenstill. Abwechselnd tauchten Besenhaare hinter dem himmelblauen Paravent auf. Unverkennbar zu Max und Moritz wurden sie über die Masken, die Anke Scholz aus dem Innenleben ihres Mantels nahm. Doch die beiden stilisierten Besen in Holzklötzen fungierten lediglich als sinnbildlicher „Kopf“ und Wächter über dem Geschehen. Denn die eigentlichen Protagonisten im quicklebendigen Puppenspiel mit Filz und Obst waren der Apfel-Max und der Birnen-Moritz. Das Anke Scholz spieltechnisch das Sagen hat weicht zwar von Wilhelm Buschs Vorlage ab, erhöht jedoch ungemein den Reiz und Unterhaltungswert seines Klassikers….Die Musik aus dem Off (Billy Bernhard und Peter Schmith) steigert zuverlässig die Spannung. Sogar das Ende des Schneiders wurde kindgerecht aufgelöst: er flog auf weißen Gänse-Handschuhflügeln davon… Die packende Inszenierung, mit wenigen Requisiten aber vielen Ideen ausgestattet, hatte die Phantasie der Kinder beflügelt. Aber nicht nur die. Sie staunten und lachten und waren von Anfang bis zum Ende engagiert dabei. Denn solch eine Max und Moritz- Version hatten weder sie noch ihre begleitenden Mütter jemals so hautnah wie aufregend erlebt.

Rheinzeitung

Faszinierendes Puppentheater einfühlsam gespielt von Anke Scholz im Kulturhaus Oberwesel… Diese Szenen nach Wilhelm Busch haben Generationen begeistert, und so war es auch beim Puppentheater: „Ritzeratze voller Tücke in die Brücke eine Lücke.“ Und der Schneider Böck alias „Ziegenböck“ fiel ins brausende Wasser. Da hatten nicht nur Max und Moritz ihren Spaß, auch die Kinder lachten vergnügt. Der nächste Streich folgte sogleich: „Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Lehrer Lämpel genießt beschwingt sein Pfeifchen, bis diese mit einem lauten Pulverknall explodiert. Und weiter geht das üble Streiche spielen, bis Bauer Mecke und Meister Müller dem ein Ende setzen: „Rickeracke, Rickeracke geht die Mühle mit Geknacke.“ Damit enden die beiden Lausbuben, verkörpert von einem Apfel und einer Birne, als gemahlener Fruchtbrei, den die Kinder, nachdem sie die Bühne stürmten, interessiert auf Lebenszeichen untersuchten.

Die exzellente Puppenspielerin Anke Scholz verstand es, mit wenigen Requisiten, pantomimischem Spiel, überraschenden Effekten und abgestimmter Musik die Kinder mitzureißen. Eine ungewöhnliche Inszenierung, die die kindliche Fantasie mit der bewährten Dichtkunst des genialen Wilhelm Busch anregte!

Rhein-Neckar-Zeitung

,,Mancher gibt sich viele Müh‘ mit dem lieben Federvieh“, schrieb Wilhelm Busch in ,,Max und Moritz“. Und manche machen sich viel Mühe, die Lausbubengeschichte in Szene zu setzen. So das ,,ArtisjokTheater“ – oder genauer Anke Scholz, die ganz wunderbar die sieben Streiche in Bilder verwandelte. Die bekannte Geschichte wirkte wie ein Magnet, denn das Kindertheater, veranstaltet von der Gemeindebücherei Dossenheim, war ausverkauft. Entsprechend unruhig wurde es bisweilen. ,,Alle wieder hinsetzen“, hatte Puppenspielerin Scholz die junge Zuschauerschar gleichwohl im Griff. Und fortan sprachen sie mit: ,,Dieses war der vierte Streich und der fünfte folgt sogleich.“ Während die Kinder köstlich amüsiert waren, was Max der Apfel und Moritz die Birne alles anstellten, waren die Erwachsenen zweifelsohne gespannt, wie die sieben Streiche gestaltet sein würden. Der Beginn war vielversprechend. Spitzbübische Besengesichter wachten während der gesamten Aufführung über das Geschehen. Apfel und Birne – sprich echtes Obst – spielten in einzelnen Szenen mit. Textlich wechselte Scholz zwischen Original, freier Erzählung und eigenen Zutaten So bot der Bäcker die gebackenen Früchtchen im Salzteigmantel zu sieben und sechs Euro zum Verkauf an. Die Figuren sprachen mit unterschiedlichem Akzent. Bauer Mecke war eindeutig sächsischer Herkunft und Witwe Bolte sprach eher mit osteuropäisch gesprochenem Deutsch. Überhaupt war die Witwe Bolte einfach köstlich anzuschauen. Täuschend echt war das Gekläff ihres Spitzes. Als die Federn der Hühner folgen, lachten die Kinder herzhaft auf. Nur als der arme Hund in Verkennung der wahren Geschehnisse mit der Bratpfanne gejagt wurde, erkannten sie nicht so recht den Unterhaltungswert und schauten eher erschrocken auf die Szene. Die Hühnerleiter wurde zur ,,Brücke mit Lücke“. Mit Knall- und Lichteffekt wurde die Lehrer-Lämpel-Pfeife in Brand gesetzt. Witzig wurde die Backszene umgesetzt. Der feiste Bäcker mit roten Backen stäubte kräftig mit Mehl. Puppenspiel und Musik harmonierten trefflich. Scholz setzte die Lausbubengeschichte mit viel Phantasie und Kreativität um. Jede Szene verblüffte mit neuen Überraschungen. Blieb die Frage, wie die beiden wohl zu Hühnerfutter werden würden? Ein Fleischwolf machte aus dem saftigen Obst am Stück Geraspeltes. Auch diese Lösung spricht für sich.